Montag, 10. Dezember 2018
Eckhards Traum

Eckhards Traum

Schon seid vielen Jahren gibt es in mir die Sehnsucht und den Wunsch, in Gemeinschaft zu leben. Was bedeutet dies?

Die Integrale Gemeinschaft

Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, die sich orientiert und ausrichtet, an einem authentischen Ausdruck zwischen den Menschen von dem, was in jedem Augenblick lebendig ist, lebendig im einzelnen aber auch in der Gemeinschaft und seinem Umfeld. Damit meine ich, dass das zentrale Anliegen von Gemeinschaft Integration ist, das heißt das Wahrnehmen, Annehmen und Gestalten der Wirklichkeit mit all ihren Seiten, Facetten und Schichten, sowie das Entwickeln der Potentiale der Individuen und der Gemeinschaft als Ganzes durch Selbsterkenntnis.

Still werden und Versöhnen

In der Gemeinschaft, die ich mir wünsche, geht es also zunächst nicht darum, irgendwohin zu gelangen, Strukturen aufzubauen oder Aufgaben zu erfüllen, sondern zuallererst darum, stehen zu bleiben, still zu sein, gewahr zu werden und in Beziehung zu kommen – in Beziehung zu mir selbst, zu den Menschen mit denen ich meinen Alltag teile und zu den Strukturen in denen ich gerade lebe.
Es geht letztlich darum, sich mit sich selbst, seinen Mitmenschen und dem Leben an sich zu versöhnen und in Frieden zu kommen. Ich spüre dann Frieden, Freude und Verbundenheit, wenn ich erkenne, dass auch Menschen, deren Ansichten und Visionen ich nicht teile und deren Handlungen Widerstand in mir auslösen, von der gleichen Sehnsucht nach einem gelingenden Leben für sich und andere geleitet werden, wie ich selbst. Versöhnung mit meiner persönlichen Geschichte, die immer auch die Geschichte von Gemeinschaft mit Menschen ist, ist die Grundlage, auf der etwas wirklich Neues wachsen kann. Versöhnung heißt Integration, also das Auf- und Annehmen dieser Geschichte und dann auch das Loslassen meiner Denkmuster und Konditionierungen, die mich an diese Geschichte binden.
Daher wünsche ich mir eine Gemeinschaft, in der die Wahrnehmung, Wertschätzung und Integration der persönlichen Muster und Gewohnheiten der Gemeinschaftsmitglieder und der strukturellen Muster der Gesellschaft, in der wir leben, gefördert und willkommen geheißen werden.

Grundfragen

Aus meiner Perspektive ist Leben-in-Gemeinschaft zunächst eine völlig legitime „Strategie“ für die Erfüllung einer Vielzahl von zentralen menschlichen Bedürfnissen wie Geborgenheit, Unterstützung, Sicherheit, Kontakt, Entwicklung und Lebendigkeit. Wenn wir uns auf der Ebene der Bedürfnisse begegnen, werden wir rasch feststellen, dass sich unsere Bedürfnisse nicht widersprechen und damit auch Gemeinschaft nicht im Wege stehen. Was uns hindert in Gemeinschaft zu kommen, ist die Anhaftung an Konzepten und (Denk–)Konstrukten, die wir als unbedingte Notwendigkeit betrachten, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Daneben fehlt uns oft genug der Blick dafür, dass in der Gemeinschaft Hungrige auf Durstige treffen. Der Traum in Gemeinschaft zu leben resultiert daher nicht selten aus der Suche (Sucht?!) nach Erfüllung ungestillter (oft kindlicher) Bedürfnisse.
Gleichzeitig leben wir ja bereits in Gemeinschaft, in Verbundenheit mit allem und jedem, mit dem ganzen Universum, sind aber damit nicht glücklich.
Die zentralen Fragen für ein gelingendes Leben in Gemeinschaft, die sich für mich stellen sind:

  • Wie können wir als Gemeinschaft – die wir ja an vielen Stellen heute bereits sind – besser für die Erfüllung unserer individuellen Bedürfnisse sorgen und unser Leben gegenseitig bereichern?
  • Wie finden wir Sinn und Glück und was bedeutet das?
  • Wer ist das eigentlich, der da sucht, sich sehnt, träumt und Bedürfnisse hat?
  • Wie nehmen wir in Gemeinschaft unseren Platz im Ganzen (Weltgemeinschaft) ein und befördern so auch Heilung und Integration global?

Gemeinschaft ist Beziehung

Ich glaube, dass jeder und jede mit der Suche nach Antworten auf diese Fragen sofort beginnen kann – hier und jetzt. Es gibt dafür keine weiteren (inneren oder äußeren) Bedingungen, die noch zu erfüllen wären, außer die, in Beziehung mit den (eigenen) Fragen zu bleiben und sich für Antworten zu öffnen. Ich bin zudem davon überzeugt, dass niemand von uns diese Fragen für sich alleine und getrennt vom Ganzen, in das er oder sie eingebunden ist, beantworten kann. Wir brauchen Beziehung und wir brauchen Räume und Orte in/an denen Beziehung wachsen kann.
Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, die vor allem zunächst dies ist: Ein Ort, an dem Beziehung wachsen kann. Dieser Ort kann überall sein. Er ist aber vor allem dort, wo ich gerade bin. Doch an vielen Orten fällt es mir schwer in Beziehung zu gehen, sei es, weil sie nicht erwünscht ist, sei es, dass sie bewusst oder unbewusst verhindert oder sogar sabotiert wird. Deshalb (und nur deshalb) scheint es notwendig, von unserem Alltagsleben in der Gesellschaft abgetrennte – geschützte – Räume zu schaffen. Gemeinschaft ist für mich daher auch ein Schutzraum, ein angstreduzierter Raum, in dem neue Formen des Miteinanders auf der Grundlage von Beziehung wachsen können.

Ins Leben bringen

Wie soll denn diese Gemeinschaft, die ich mir wünsche, konkret aussehen? Welche äußere Form braucht sie? Welche Strukturen sind notwendig, welche Institutionen und Einrichtungen? Soll es gemeinsame oder individuelle Ökonomie geben? Soll sie auf dem Land oder in der Stadt sein? Sollen es 10 oder 30 oder gar 100 Leute werden? Geht es um Genderthematik, Politik, Ökolandbau mit Selbstversorgung oder um Therapeutische Ziele?
Oft höre ich solche Fragen, wenn es um (die Gründung von) Gemeinschaft geht. Aber sind diese Fragen wirklich zentral?
Für mich sind sie es nicht – dann nicht, wenn wir einsichtig geworden sind, dass echte lebendige Gemeinschaft im gemeinsamen Herzen beginnt und nur dort. Das gemeinsame Herz schlägt, wenn jede/r in der Gemeinschaft mit seinem Innersten verbunden ist und damit bedingungslos dem Leben hingegeben. Gemeinschaft verstanden als ein solches In-Beziehung-sein ist nicht von einem bestimmten Projekt abhängig.

Ich habe Sehnsucht nach etwas wirklich Neuem und es fühlt sich für mich sehr stimmig an, darauf zu vertrauen, die konkrete Form der Gemeinschaft aus Beziehung heraus wachsen zu lassen. Menschen, die in einer solchen Gemeinschaft zusammen kommen, den Weg des Herzens, der Heilung und Integration zusammen gehen, werden aus der Stille und Achtsamkeit heraus ihre Aufgabe und Bestimmung erkennen, die aus ihrer Verbindung erwächst.

In der Gemeinschaft wie ich sie mir wünsche, geht es immer darum, uns gegenseitig dabei zu unterstützen, mit dem Leben in Beziehung zu kommen:

  • Was ist in mir lebendig? (Beziehung zu mir)
  • Was ist in dir lebendig? (Beziehung zu dir/ zum Ganzen)
  • Wohin will uns das führen? (Vision)
  • Welche Widerstände spüre ich/ spürst du dagegen? (Schattenarbeit)
  • Was wollen wir konkret tun/nicht tun? (Integration)

Diesen Prozess lebendig zu halten erfordert vom Einzelnen nichts weniger, als das, was Sicherheit gibt, immer wieder zu hinterfragen, aufzugeben, loszulassen. Das schließt die Vorstellung von dem, was Gemeinschaft ist und sein soll mit ein!
Wer wirklich etwas Neues möchte, wer lebendig bleiben möchte, muss als Preis
dafür den oft schmerzhaften Tod des Alten zahlen. Da lässt das Leben wohl nicht mit sich verhandeln.

Es bedeutet für mich allerdings nicht, von mir selbst oder anderen etwas zu fordern. Loslassen zu können, mich öffnen zu können für Gemeinschaft, ist ein Geschenk des Lebens an mich – ich kann es nicht machen, nicht einfordern.
Und doch ist es Voraussetzung für gelingendes Leben, für Gemeinschaft.
Integration bedeutet daher auch, wahrhaftig zu sein und zu bleiben, mir selbst und anderen gegenüber und offen zu zeigen, wo ich bereit bin, Veränderung zuzulassen und wo ich die Sicherheit, die das Gewohnte mir gibt, (noch) nicht aufgeben möchte.
Zu Lieben heißt dann, Spannungen, Gefühle, die in einem solchen Prozess entstehen, zuzulassen und in mir zu halten ohne in die (Re-)Aktion, in den Affekt zu gehen.
Ich spüre viel Vertrauen, dass ich mich von der Sehnsucht meines Herzens leiten lassen kann und dass die Schritte, die ich jetzt in der Lage bin, in diese Richtung zu gehen, für heute ausreichen.

Integrale Lebenspraxis (ILP) als Basis für Gemeinschaft

ILP ist vor allem ein Bewusstseinsmotor, der uns in allen Kernbereichen unseres Seins (Körper, Verstand, Geist, Seele, Gefühle, Schatten, Beziehung und Handeln) zu Entwicklung und Lebendigkeit verhilft. In der Gemeinschaft, die ich mir wünsche, wird genau das unterstützt und befördert. Bewusstsein, wie ich es verstehe, entwickelt sich stetig weiter, sowohl individuell als auch kollektiv. Ein höheres bzw. klareres Bewusstsein ermöglicht uns ein weiteres und tieferes Verstehen der Dinge des Lebens, befriedigendere Kommunikation und bessere Integration.

ILP bietet in seiner umfassenden Vielfalt alle Features, um einen sowohl den individuellen, als auch einen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess in allen Bereichen des Lebens dynamisch zu halten. ILP hilft mir meine Erkenntnisse und Weisheit ins Leben zu bringen und zu integrieren, so dass Einsichten und Handlungen in Einklang kommen. ILP ist aus meiner Perspektive bestens dafür geeignet Bewusstsein wachsen zu lassen. Sie lässt mich erkennen, welcher der vier zentralen Lebensbereiche (mein Innen, mein Handeln, meine Beziehungen, meine Strukturen) gerade Entwicklung verlangt. Ich kann dabei auf viele gelungene Instrumente und alte erprobte Traditionen zurückgreifen, sie fortwährend weiterentwickeln und meinen Bedürfnissen anpassen.

Dafür drei Beispiele:

  1. In diesem Werkzeugkasten halte ich als Grundlage für die Kommunikationkultur in der Gemeinschaft, die ich mir wünsche, den Gemeinschaftsbildenen Prozess (GB) nach M.S. Peck, wie wir ihn hier auf unserer Seite vorstellen und die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach M. Rosenberg für hervorragend geeignet. Gemeinschaft (Community) und Kommunikation sind, wie schon die Begriffe zeigen, eng mit einander verwoben. Daher hängt Innigkeit, Lebendigkeit und Authentizität in der Gemeinschaft unmittelbar davon ab, wie wir miteinander kommunizieren.
    GB und GFK helfen mir eine Wahrnehmung und Sprache zu entwickeln, die meine konditionierten Denk- und Kommunikationsmuster beobachtbar machen, z.B. die Bewertung und Verurteilung von mir selbst und anderen. Sie erlauben es mir mich wahrzunehmen, mich mit meinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und denen anderer Menschen zu verbinden, meine gewohnten Handlungsweisen und Strategien zu hinterfragen und offen zu werden für die Fülle in mir und um mich herum.
  2. Eine weitere Grundlage für mich ist Stille.
    Ob in Achtsamkeitsmeditation, in der Musik, der Naturerfahrung oder auch im Alltag: Die Grundhaltung der Stille bedeutet, dass ich mich verbinde, mit dem was gerade ist. Stillsein heißt nicht einfach Schweigen oder alle Geräusche verbannen, sondern sich ganz und gar durchlässig machen, offen sein, wach wahrnehmen mit allen Sinnen und dabei den inneren Dialog anhalten. Dies wird auch gern als offenes Gewahrsein bezeichnet, bei dem den 100 Milliarden Neuronen unseres Gehirns praktisch grenzenlose Möglichkeiten für neue einzigartige Verbindungsbahnen gegeben sind.
  3. Die für mich persönlich einschneidendsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens, waren solche in erweiternden Bewusstseinszuständen. Durch diese „Gipfelerfahrungen“, die ich als kosmisch göttliche All–eins–Erfahrung bezeichne, erhielt ich eine vollkommen neue für mich revolutionäre (Klar-)Sicht auf die Welt, das Leben, die Gemeinschaft und mich selbst. Wenn solche Erfahrungen gründlich integriert werden, können sie, wie es bei mir der Fall war, ein ganzes Leben neu ausrichten.

Vernetzung

Die Gemeinschaft, die ich mir wünsche, zieht sich nicht aus der Gesellschaft zurück. Sie versucht nicht autark zu leben, um möglichst wenig von der Welt zu brauchen. Im Gegenteil arbeitet sie daran, uns unsere gegenseitige Abhängigkeit bewusster zu machen. Bewusstseinsarbeit heißt hier auch, sich klar darüber zu werden und dies auch zu kommunizieren, dass wir nur zusammen das Glück auf dieser Erde teilen können oder gemeinsam untergehen. Das bedeutet, das die Gemeinschaft auch eine Heilungsort für die gesamte Gesellschaft und die ganze Erde ist.
Das Bild von der Gemeinschaft als Überlebensinsel widerspricht zutiefst dem Gemeinschaftsgedanken und der vernetzten Realität.
Es kann uns nicht egal sein, wie die Gesellschaft mit ihren Krisen umgeht.
Was also tun, angesichts der ungewissen und wahrscheinlich krisenhaften Zukunft, die unserer Gesellschaft in diesen Umbruchzeiten bevorsteht?
Was tun, angesichts all des Leidens, all des Mangels, all der Katastrophen in der Welt, ganz nah oder weit entfernt von uns, heute, jetzt?

Mir kommen drei Aspekte:

  1. Ich glaube nicht, dass ich einen Ort in dieser Welt finden kann, an dem mich diese Fragen nicht mehr betreffen, an dem ich vor ihnen sicher sein kann – auch nicht eine Gemeinschaft, die sich in einem verlassenen, entlegenen Tal niedergelassen hätte.
  2. Ich glaube, dass Gemeinschaft ein Abbild der Welt ist, wie sie ist und dass, so gesehen, sich die Welt in mir widerspiegelt. In dem Maße, in dem ich mich entwickle und mein Bewusstsein ändere, ändert sich auch die Welt.
  3. Dies zu glauben löst die Probleme nicht.

In der Gemeinschaft, die ich mir wünsche, ist Raum auch für diese drängenden Fragen.

Wie es beginnt

Heute und hier, in dem ich mich aufmache auf den Weg der Selbsterkenntnis, in dem mir jeder (All-)Tag zur Übung wird, still zu werden, liebesfähig und damit auch gemeinschaftsfähig zu werden und das Im–Tiefsten–darin–alleine–sein anzunehmen.
Heute und hier, in dem wir beginnen auf ganz neue Weise miteinander zu kommunizieren und jede/n auf seinem Pfad der Selbsterkenntnis zu unterstützen. In dem wir bereit sind im Anderen uns selbst zu sehen und nicht davonlaufen vor dem, was wir da sehen.
Heute und hier als Gruppe, in dem wir starten mit einem Prozess der Gemeinschaftsbildung und so einen Raum schaffen für ein authentisches Miteinander-Teilen, in dem wir ins gemeinsame Herz finden, aus dem alles entspringt, was sich an neuem durch uns in der Welt manifestieren will.
Heute und hier in unserer Gesellschaft, in dem wir uns nicht raushalten oder rausziehen, sondern unseren Beitrag leisten, die Hoffnungslosigkeit die zuweilen darin liegen mag annehmen ohne zu resignieren.