Montag, 10. Dezember 2018
Schmerz beiseite

Schmerz beiseite

Schmerz beiseite

Wenn ich morgens aufwach bist du längst schon da,
begleitest mich auf Schritt und Tritt, bleibst mir stets ganz nah
Du bist mein treuester Begleiter, seit vielen Jahren schon
Wie wärs wenn du mal in den Urlaub gehst?
Ich meins nicht bös, ich hoffe du verstehst

Viele schlaue Leute ham sich schon mit dir befasst,
ham versucht mir zu erklären, was dir an mir nicht passt
Ich wollte dich verstehen, hoffte du lässt mich dann frei
Wie wärs wenn du mal ein bisschen fremd gehst?
Ich meins nicht bös, ich hoffe du verstehst

Mein lieber Schmerz, du kannst mich zu gut leiden
Werd doch mal untreu, ich will mich von dir scheiden
Bedenke doch – ein schöner Rücken,
der kann auch ohne Schmerz total entzücken

Ich hab alles versucht dich für immer loszuwerden,
hab mich ertüchtigt, hab verflucht meine Beschwerden,
wollte dich mit Messern traktiern, wollt dich mit Drogen reduziern
Ach komm, meld dich doch einfach bei mir ab
Ich versprech dir’s, ich dank dir’s bis ins Grab

Und manchmal übernimmst du dann ganz die Regie,
fesselst mich auf den Boden, machst dich so stark wie noch nie
Du führst mich in eine intime Zweisamkeit mit dir
Die Hilflosigkeit wird dann unbeschreiblich groß
Ich bin das nackte Elend – du der Boss

Doch irgendwie hab ich das kämpfen aufgegeben,
hab begonnen dich in mir aufzunehm, du gehörst nun zu meinem Leben
Ich hör auf deinen Rat, lass mich flachlegen von dir
Dafür brauchst du nicht mehr so wichtig tun
Auch du kannst dich nun ab und zu ausruhn

Mein lieber Schmerz, du kannst mich so gut leiden
Du bist der Tiefgründigere von uns beiden
Auch wenn es scheint, ohne dich wär’s so viel leichter
Vielleicht ist’s Leben ohne dich auch viel seichter

Mein lieber Schmerz, du kannst mich so gut führen
Du kennst in mir doch die geheimsten Türen
Mit deiner Art zeigst du mir ganz leise,
das Ende meiner Reise

Und irgendwann ganz sicher da kommt die Zeit,
dass alles Mühen aufhört und weicht der Barmherzigkeit
Ich lieg auf meinem letzten Lager und du ganz nah bei mir
Du flüsterst in mein Ohr: Leb wohl, jetzt lass ich dich
Ich dank dir schön – doch vermissen werd ich dich nicht

Mein lieber Schmerz, du kannst mich so gut leiden
Du bist der Weisere von uns beiden
Ich bitt dich nur, greif nicht so fest zu,
bei unserm nächsten privaten Rendezvous