Montag, 10. Dezember 2018
Naturerfahrung

Naturerfahrung

Aus der Erde sind wir genommen, Erde werden wir wieder werden, Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.

So heißt es in einer liturgische Formel. die der christliche Pfarrer am Grab einer Verstorbenen spricht. Damit will er zum Ausdruck bringen, dass wir bei unserem Tod wieder dorthin zurückkehren, woher wir gekommen sind. Das Grab wird zum Ort der natürlichen Rückverwandlung alles irdischen Lebens in den Kreislauf der Natur. Wir sind ein Stück Natur.

Die Worte „human“ und „Homo“, wie in Homo sapiens, beruhen ja auf dem lateinischen Begriff humus, also „Erde“, „Erdboden“. Wir sind Kinder der Erde, Erdgeborene und als solche sterblich. Unser Körper ist ein Geschenk der Erde und wir müssen ihn wieder zurückgeben.

Wolf-Dieter Storl

Wenn uns diese Anbindung an unseren natürlichen Urgrund fehlt, werden wir wirr und gehen halt- und wurzellos durch die Welt. Wir verlieren regelrecht den Boden unter den Füßen. Wenn wir uns jedoch einbetten und als eingebetten erleben in die natürlichen Prozesse von Werden und Vergehen, dann wird, wie es der große Leherer Don Juan bei Castaneda ausdrückt der Tod zu unserem Ratgeber. Wir lernen unsere Zeit auf der Erde als etwas wahr- und anzunehmen, was es zu nutzen gilt – zu nutzen für die Dinge, für die wir bestimmt sind, für das was wirklich wesentlich ist.

Heute sind die meisten von uns Stadtmenschen, die ihre Verwurzelung in der Natur weitgehend verloren haben. Uns beschäftigen Dinge wie Beruf, Geldverdienen, das Konsumieren, Medien, die Bewältigung der Begleiterscheinungen des engen, gedrängten Zusammenlebens. So entfremden wir uns mehr und mehr von unserer Natur, unserer Nahrung, unserer Umwelt – ja von uns selbst.

Die sensibleren unter uns gehen dann auf die Suche nach Sinn, Erfüllung, Anbindung – nach sich selbst. Doch alle Selbsterfahrung, Spritualität, Therapie, Selbstfindungsprozesse sind unvollständig und auf gewisse Weise hohl, wenn wir unsere natürlichen Wurzeln nicht immer wieder erneuern und stärken, indem wir uns in der Natur aufhalten und Zeit in ihr und mit ihr verbringen. Es geht gar nicht darum extreme Dinge zu tun oder modischen Trends zu folgen, wie etwa Survivaltraining in der Wildnis. Es ist schon viel gewonnen, wenn wir uns regelmäßig nach draußen begeben, in den Wald, auf Wiesen und an den See – um dort nichts zu tun, nichts als nur einfach da zu sein, die Wesen um uns herum wahrzunehmen, zu berühren, zu beobachten, einfach die frische Luft einzuatmen und alles Geplante, alle Vorhaben und alles Gedankenkreisen um das Alltägliche aufzugeben.

Solche oft ganz unspektakulären Erfahrungen, führen in die stille Einkehr und verbinden uns mit unseren Wurzeln. Im Nichttun teilt sich uns Natur mit und lädt uns ein, einfach zu sein und ihre Gaben und Geschenke anzunehmen.

Bei unseren Angeboten findest du auch gemeinschaftliche Naturerfahrungen.