Samstag, 23. September 2017
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Wir möchten dich einladen, in unseren Inhalten zu stöbern, dich anregen zu lassen, vielleicht einen Impuls zu empfangen und weiterzutragen…,
vielleicht auch innehalten …,
eine kurze Pause, im alltäglichen Hamsterrad der üblichen Gedanken …,Möge das hier dargestellte dir dienlich sein.

Das Geschenk des RabbiEs war einmal ein Kloster, für das schwere Zeiten angebrochen waren.
Einst ein großer Orden, waren alle seine Bruderhäuser verlorengegangen als Folge von Verfolgungen und der Säkularisation.
Er war bis zu einem solchen Ausmaß dezimiert worden, dass im zerfallenden Mutterhaus nur noch fünf Mönche übrigblieben: Der Abt und vier andere, alle über 70 Jahre alt.
Es war klar, dass der Orden am aussterben war.
In den tiefen Wäldern, die das Kloster umgaben, stand eine kleine Hütte, die ein Rabbi von einer nahe gelegenen Stadt gelegentlich als Einsiedelei benutzte.
Durch die vielen Jahre des Gebets und der Kontemplation waren die alten Mönche ein wenig hellsehend geworden, so dass sie es immer wahrnehmen konnten, wenn der Rabbi in seiner Einsiedelei war.
„Der Rabbi ist im Wald, der Rabbi ist wieder im Wald”, pflegten sie einander zuzuflüstern.

In einer solchen Zeit, als der Abt sich wieder einmal über den unabwendbaren Tod seines Ordens den Kopf zerbrach, kam ihm die Idee, den Rabbi in seiner Einsiedelei zu besuchen um ihn zu fragen, ob er möglicherweise einen Rat wüsste, wie das Kloster zu retten sei.
Der Rabbi hieß den Abt in seiner Hütte willkommen.
Aber als der Abt den Zweck seines Besuches erklärte, konnte der Rabbi nur mitfühlend ausrufen: „Ich weiß, wie das ist, der Geist hat die Menschen verlassen. Es ist genauso in meiner Stadt. Fast keiner kommt mehr in die Synagoge.”
So weinten der alte Abt und der alte Rabbi zusammen. Dann lasen sie in der Thora und führten in Ruhe tiefe Gespräche.
Die Zeit kam heran, dass der Abt aufbrechen musste. Sie umarmten sich.
„Es war wunderbar, dass wir uns nach all den Jahren begegnen konnten”, sagte der Abt, „aber ich habe noch immer nicht das erreicht, dessentwegen ich hergekommen bin. Gibt es denn gar nichts, das du mir sagen kannst, keinen kleinen Rat, der mir helfen würde, meinen sterbenden Orden zu retten?”
„Nein, es tut mir leid”, erwiderte der Rabbi, „ich habe keinen Rat zu geben. Das einzige, was ich dir sagen kann, ist, dass der Messias einer von euch ist.“

Als der Abt zum Kloster zurückkehrte, versammelten sich seine Brüder um ihn und fragten: „Nun, was hat der Rabbi gesagt?”
„Er konnte nicht helfen”, antwortete der Abt. „Wir haben nur geweint und zusammen die Thora gelesen. Das einzige, was er sagte, gerade als ich ihn verließ – er blieb etwas unklar -, war, dass der Messias einer von uns sei. Ich weiß nicht, was er meinte.”
In den Tagen, Wochen, Monaten, die folgten, bedachten die alten Mönche dies und fragten sich, ob es irgendeine Bestätigung für die Worte des Rabbis gebe.

Der Messias ist einer von uns?
Kann er überhaupt einen von uns Mönchen hier im Kloster gemeint haben?
Wenn das der Fall ist, welchen?
Glaubst du, er meinte den Abt?
Ja, wenn er irgendeinen meinte, war es vermutlich Vater Abt.
Er ist mehr als eine Generation lang unser Führer gewesen.
Andererseits könnte er auch Bruder Thomas gemeint haben. Sicherlich ist Bruder Thomas ein heiliger Mensch. Jedermann weiß, dass Thomas ein Mann des Lichts ist.
Sicherlich konnte er nicht Bruder Elred meinen! Elred ist zeitweise schrullig. Aber wenn man es recht bedenkt, auch wenn er ein Ärgernis für die Leute ist, hat Elred eigentlich immer Recht.
Oft sehr recht. Kann sein, der Rabbi meinte wirklich Bruder Elred.
Aber sicher nicht Bruder Phillip. Phillip ist so passiv, ein rechter Niemand. Aber dann, beinahe rätselhaft, hat er die Gabe, irgendwie immer da zu sein, wenn man ihn braucht. Er erscheint wie durch Zauber an deiner Seite. Vielleicht ist Phillip der Messias.
Natürlich meinte der Rabbi nicht mich. Er konnte keinesfalls mich meinen. Ich bin nur eine gewöhnliche Person. Aber angenommen, er tat es? Angenommen, ich bin der Messias?
O Gott, nicht ich. Ich könnte nicht so viel für dich bedeuten, nicht wahr?
Wie sie in dieser Art überlegten, begannen die alten Mönche einander mit außerordentlicher Achtsamkeit zu behandeln, wegen der entfernten Möglichkeit, dass einer von ihnen der Messias sein könnte.
Und auf die noch entferntere Möglichkeit hin, dass jeder der Mönche selbst der Messias sein könnte, begannen sie, sich selbst mit außerordentlicher Achtsamkeit zu behandeln.

Weil der Wald, in dem das Kloster lag, so schön war, geschah es noch gelegentlich, dass Leute es besuchten, um auf dem kleinen Rasen zu picknicken, die Wege entlang zu wandern, sogar dann und wann in der baufälligen Klosterkapelle zu meditieren.
Als sie das taten, fühlten sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, diese Aura von außerordentlicher Achtsamkeit, die nun die fünf alten Mönche zu umgeben begann, die von ihnen auszustrahlen und die Atmosphäre des Ortes zu durchdringen schien.
Es lag etwas seltsam Anziehendes, ja sogar Zwingendes darin.
Kaum wissend warum, kamen sie immer häufiger wieder zu dem Kloster, um zu picknicken, zu spielen, zu beten.
Sie fingen an, ihre Freunde mitzubringen, um ihnen diesen besonderen Ort zu zeigen.
Und die Freunde brachten ihre Freunde mit.
Dann geschah es immer öfter, dass einige der Jüngeren, die das Kloster besuchten, anfingen, mit den alten Mönchen zu sprechen.
Nach einiger Zeit fragte einer, ob er sich ihnen anschließen dürfe, dann ein anderer und noch einer. So wurde das Kloster innerhalb weniger Jahre wieder ein wachsender Orden und, dank des Geschenkes des Rabbis, ein lebendiges Zentrum von Licht und Geistigkeit in der Gegend.

Alte Parabel, die M. Scott Peck in seinem Buch „The Different Drum“ erzählt.